Erasmus+-Studienaufenthalt in Nizza
Über den Tellerrand geschaut
Eine Woche Nizza – das klingt nach Sonne, Meer und Strandpromenade. Für uns, die Französischlehrerinnen Claudia Jansen und Belina Angel, stand vom 11.05.26 bis zum 16.05.26 jedoch vor allem eines im Mittelpunkt: der Austausch mit Kolleginnen und Kollegen aus ganz Europa. Von Montag bis Freitag nahmen wir an einem Studienaufenthalt teil, der durch das Programm Erasmus+ der Europäischen Union gefördert wurde.
Europa an einem Tisch
Die Gruppe war bunt gemischt: Neben uns kamen Fremdsprachenlehrerinnen aus Dänemark, Schweden, Belgien, Italien und Spanien zusammen. Den Auftakt bildeten Impulse zur Entwicklung und Geschichte des französischen Schulsystems, mit denen wir uns ausführlich und detailreich beschäftigten. Für uns als Französischlehrerinnen war das besonders aufschlussreich, denn manche Eigenheit des Nachbarlandes wird erst mit dem Blick in die Geschichte verständlich.
Anschließend richteten wir den Blick auf die Gegenwart: Jede Teilnehmerin stellte das Schulsystem ihres Landes vor und erläuterte dessen Besonderheiten.
Von Nord nach Süd: Digitalisierung im Vergleich
Besonders beeindruckt hat uns, wie unterschiedlich die einzelnen Länder mit der Digitalisierung umgehen. Unser Eindruck: Je weiter nördlich, desto selbstverständlicher gehören digitale Medien bereits zum Fremdsprachenunterricht; je weiter südlich, desto klassischer sind die Unterrichtsmethoden. Vorreiter ist Dänemark, wo Klassenarbeiten bereits digital geschrieben und korrigiert werden. Ähnliche Erfahrungen schilderte auch die belgische Kollegin aus ihrer Berufsschule.
Gleichzeitig wurde deutlich, wie schwierig solche Vergleiche sind. Leistungsanforderungen, Schulformen und Jahrgangsstufen unterscheiden sich von Land zu Land erheblich, und eine belgische Berufsschule arbeitet unter völlig anderen Bedingungen als unsere Schule. Schnell vergleicht man hier Äpfel mit Birnen. Doch gerade darin liegt der Reiz des Austauschs: Man sieht das eigene System plötzlich mit anderen Augen.
Künstliche Intelligenz: Herausforderung und Chance
Viel Raum nahm die Frage ein, welche Bedeutung das Sprachenlernen in Zukunft haben wird und wie sich der Fremdsprachenunterricht verändern muss, nicht zuletzt durch künstliche Intelligenz. Jede Teilnehmerin berichtete offen von ihren Herausforderungen, sodass sowohl persönliche als auch strukturelle Fragen zur Sprache kamen.
Einig waren wir uns darin, dass KI aus dem Alltag unserer Schülerinnen und Schüler nicht mehr wegzudenken ist. Wie man damit umgehen sollte, wurde dagegen sehr unterschiedlich gesehen. Einige Kolleginnen äußerten große Bedenken und wünschten sich klare Vorgaben von übergeordneter Stelle. Wir sehen darin vor allem einen Auftrag an uns selbst: Wie können wir KI sinnvoll in unseren Unterricht integrieren? Wie vermitteln wir den Lernenden, sie als Lernbegleiter für ihren eigenen Fortschritt zu nutzen, statt sich nur bequem Lösungen liefern zu lassen? Und wie lässt sich KI künftig auch bei Leistungsüberprüfungen sinnvoll berücksichtigen? Fertige Antworten gibt es darauf noch nicht. Das Ziel ist aber klar: Schülerinnen und Schüler, die die Sprache wirklich gut beherrschen.
Ausprobieren statt nur darüber reden
Zum Abschluss wurde es praktisch. Wir tauschten uns über konkrete Unterrichtsideen aus und testeten verschiedene digitale Tools selbst, vor allem spielerische Anwendungen, die das freie Sprechen fördern. Einige davon kommen in unserem Unterricht bereits zum Einsatz, weitere werden folgen.
Kultur inklusive
Natürlich kam auch Nizza selbst nicht zu kurz: Eine Stadtführung sowie Besuche im Musée Marc Chagall und im Musée Matisse zeigten uns die Stadt von ihrer kulturellen Seite und machten erlebbar, wie eng die Côte d’Azur mit der Kunstgeschichte verbunden ist.
Unser Fazit
Wir kehren mit vielen positiven Eindrücken zurück. Der Blick über den eigenen Tellerrand hat unseren Horizont erweitert, uns in manchem bestätigt und neue Fragen aufgeworfen, die wir gern in unsere Fachschaft tragen möchten. Unser Dank gilt dem Programm Erasmus+, das diesen Aufenthalt ermöglicht hat, sowie der Schulleitung und dem Kollegium, die uns während unserer Abwesenheit unterstützt haben.
Claudia Jansen und Belina Angel